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Kolumne: Nostalrius – an dreist kaum zu überbieten

Kolumne: Nostalrius – an dreist kaum zu überbieten

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Der sanfte Umgang mit Nostalrius wird für Blizzard zu einer Gratwanderung.

Über den Author
NGINX Server, Datenspezialist und Medienkompetenzler. Im Internet unter dem Pseudonym Deex zuhause.
Vor einigen Wochen forderte Blizzard Entertainment über die eigenen Anwälte den Betreiber des eigenmächtig initiierten World of Warcraft Privat-Server Nostalrius dazu auf den Betrieb einzustellen. Die verantwortlichen von Nostalrius reagierten und schalteten diesen nach einigen Tagen ab, was folgte, war ein gigantischer Shitstorm der Nostalrius Community, die jetzt nicht mehr spielen konnte.

Zweifellos hat Nostalrius in großer Anzahl gegen die Urheberrechte von Blizzard Entertainment verstoßen, so scheute man sich auch nicht auf der eigenen Website Blizzard Entertainment als Rechteinhaber zu World of Warcraft zu benennen. Als einigermaßen vernünftiger Mensch könnte man meinen, wenn ein kleiner Betreiber über die Anwälte eines Milliarden Konzerns eine derartige Aufforderung erhält, würde dieser aus Angst vor millionenschweren Schadensersatzforderungen kleinlaut werden; nicht so jene von Nostalrius und so lassen sich die Geschehnisse der letzten Wochen wie eine Chronologie des Leichtsinns und Dreistigkeit von Betreiber und deren Community lesen.

Account-Zugangsdaten für jedermann

Während die Spieler von Nostalrius sich lieber an Blizzard in Form von Pöbeleien, Beleidigungen und Online-Petition gegen die Abschaltung wendeten, wollten die Betreiber in aller Ernsthaftigkeit die Software des Privat-Servers inklusive Accounts der Nutzer und Passwörter öffentlich zur Verfügung stellen. Zwar ist man scheinbar mittlerweile davon abgerückt und hat bisher nur Erweiterungen freigegeben, aber auch als diese Ankündigung noch aktuell gewesen ist, zweifelte kaum einer an der Seriosität von den Hintermännern von Nostalrius.

Schau! – So groß war der Schaden den wir angerichtet haben!

Zwischenablage01Ein weiterer Beleg dafür wie dreist und gedankenlos die Betreiber handeln, liest sich in unfassbaren Prahlereien mit den Nutzerzahlen. Wenige Tage nachdem Nostalrius abgeschaltet wurde, veröffentlichten die Anbieter Nutzerzahlen nach denen laut eigenen Angaben 800.000 Accounts erstellt wurden und 150.000 davon aktiv gewesen sind. Da normalerweise das Spielen von World of Warcraft ein aktives Abo für etwa 13.99€ im Monat voraussetzt, lag der Schaden an Blizzard demnach schon bei etwa 2.098.500€ an Abo-Gebühren im Monat, Service und Shop Einnahmen noch gar nicht eingerechnet. Man müsse sich einmal vorstellen wie es wäre, morgen das ganze Musikarchiv von Universal zu veröffentlichen, das Glück zu haben nicht in Grund und Boden geklagt zu werden und dann auch noch sich hinzustellen und Universal unter die Nase zu reiben wie viele Downloads die Musik hatte.

Die Community ist manchmal nicht besser.

Während die Betreiber mit ihrer vermeintlichen Glanzleistung vor sich hinprahlen und sich nicht annährend bewusst zu sein scheinen, welche Gefahr sie laufen ein Leben lang verschuldet und im schlimmsten Fall sogar vorbestraft zu sein, scheint auch die eigene Community dieses Problem mit dem Urheberrecht schlichtweg auszublenden. Anstatt die Betreiber davor zu warnen weiter zu machen, werden diese sogar noch angefeuert dieses Risiko auf sich zu nehmen, zum Beispiele über Vorschläge die notwendige Infrastruktur an Servern in der Ukraine zu hosten. Wie weit die kriminelle Energie hierbei geht, verdeutlicht ein Beitrag eines Entwicklers, der von Nostalrius verwendete Software, der Tipps gibt dem US-amerikanischen FBI Entkommen zu können. Spätestens hier müsste so mancher gemerkt haben, das irgendwas doch nicht so ganz sauber ist.

Blizzard läuft einen taktischen schmalen Grat.

Die Entscheidung die Betreiber noch nicht zu verklagen und sogar noch in einen Dialog zu treten, ist ein gefährlicher und schmaler Grat für Blizzard Entertainment. Was „nett“ erscheint, ist der Versuch mit den tausenden Menschen in der Community von Nostalrius wieder in Kontakt zu treten, zu beschwichtigen, herauszufinden, wieso sie überhaupt auf privaten Servern spielen und irgendwie zu sehen, das man diese wieder an sich bindet, ohne dabei den Ruf zu gewinnen ein Monster zu sein, welches direkt zu Gerichtsverfahren greift.

Hoch anzurechnen wäre das Blizzard sich immer noch für seine Community interessiert, die Wahrheit ist jedoch.. nicht für Nostalrius oder seine Betreiber. Zwar hat man angekündigt, mit den verantwortlichen in einen Dialog zu treten und diese auch in die Hauptgeschäftsstelle nach Irvine einzuladen, doch auch Blizzard wird wohl wissen, wer die wahren Entwickler hinter der Software von Nostalrius sind – das sind eben mit Nichten jene, die sich derzeit öffentlich selbst zur Schau stellen.

mangos
Homepage von CMangos

In Wahrheit von TomRus und den besten Daten-Hackern der Welt.

Während ein Großteil der Nostalrius-Community noch glaubt, dass es die Betreiber innerhalb von kurzer Zeit geschafft haben eine klassische Version von World of Warcraft zu emulieren und Blizzard im gleichen Atemzug fragen, warum diese es nicht selbst einfach so schaffen, muss man dazu folgende Hintergründe kennen: In Wahrheit ist Nostalrius nicht mehr als die vorgefertigte Software „Continued MaNGOS“, entwickelt von einer Gemeinschaft, mehrheitlich aus russischen Datenspezialisten, bestehend wie zum Beispiel das pseudonym TomRus. Es benötigt also keinesfalls die Freigabe der Nostalrius-Betreiber, denn jeder konnte und kann sich selbst die emulierte Version von World of Warcraft-Klassik, BC oder Wotlk herunterladen. Alles was es benötigt, um diese zu betreiben, wäre Hardware für einen Server. Oder um die wertvolle Arbeit von Nostalrius zusammen zu fassen: Man könnte einem Hund beibringen den emulierten Server zu starten oder zu stoppen. Dies wird auch Blizzard Entertainment wissen und so findet der Kontakt mit den Betreibern Nostalrius aller Wahrscheinlichkeit nur aufgrund der Community statt, ein wirtschaftliches Interesse oder Interesse an der direkten Software von Nostalrius, kann Blizzard Entertainment keinesfalls haben.

Ein falsches Signal an Piraten.

Der schmale Grat für Blizzard hat schon damit begonnen, die Betreiber nicht zu verklagen und diese auch noch nach Irvine einzuladen! Ein zu sanfter Umgang mit dem Problem der illegalen Kopien von World of Warcraft-Inhalten, könnte das Signal für viele sein, es Nostalrius nachzumachen, in der Hoffnung viele Nutzer zu erhalten und als Belohnung dafür auch noch vermeintlich auf Augenhöhe mit dem Konzern zu stehen, nach dem Motto „da passiert doch eh nix“.

Klassik Server werden nicht funktionieren.

Tatsächlich kann man schon jetzt absehen, dass – ohne auf technische Aspekte oder finanzielle Mittel zu sehen – klassische Server keinen Zulauf finden werden. Alleine in den Diskussionen in den Foren von Blizzard, unterscheiden sich die Wünsche so gravierend, das jeweils nur Bruchteile der potenziellen Spieler damit zufrieden wären. Einer wünscht sich dann doch Korrekturen an klassischen Inhalten, ein anderer würde gerne wieder in die Zeit von Wrath of the Lichking zurück, wieder ein anderer hat die Erweiterung Burning Crusade ganz toll gefunden. Mancher würde gerne eine klassische Version haben, bei der er dann doch transmogrifizieren kann und so weiter …

Was könnte nun folgen?

Blizzard Entertainment wird in den nächsten Monaten schwere Entscheidungen über die Fortsetzung treffen müssen. Folgende Szenarien wären dabei wahrscheinlich:

  1. Es passiert garnichts und Blizzard Entertainment hofft, dass dieses Thema langsam in Vergessenheit gerät.
  2. Man wird Realms entwickeln, die bestimmte Einschränkungen besitzen und nach kurzer Zeit schon wieder beendet werden mangels Spielern.
  3. Man kauft die Entwickler von Continued MaNGOS und erstellt basierend auf der Grundlage einen eigenen klassischen Realm (Sehr unwahrscheinlich).
  4. Man wird die Botschaft verbreiten, dass Betreiber von privaten Servern zukünftig mit Konsequenzen zu rechnen haben bzw. wird jene von Nostalrius rechtlich belangen, um am Ende das Verfahren doch niederzulegen.
  5. Man wird in den nächsten Monaten immer mehr private Anbieter zum Schließen bewegen, um Trittbrettfahrern vorzubeugen.

Was auch immer Blizzard Entertainment angehen wird – viel gewinnen können sie dabei nicht, außer Erkenntnissen, warum sich eine größere Gruppe eher für die klassischen Versionen entscheidet als für aktuelle Inhalte.

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3 Kommentare

  1. Das liest sich wie ne Hetzschrift der AFD. Koloumne hin oder her, ein wenig Objektivität täte dir, glaube ich, ganz gut.
    Ich habe ne andere Meinung dazu und unterstütze Privatserver, die eine andere Version von WOW haben als die aktuelle, solange Blizzard keine eigenen anbieten möchte. Ich bin aber dennoch in der Lage das Ganze distanziert zu betrachten.
    Abgesehen davon, viel Spekulation, Halbwissen und jede Menge Emotionen von deiner Seite, die ich so nicht nachvollziehen kann.

    „veröffentlichten die Anbieter Nutzerzahlen nach denen laut eigenen Angaben 800.000 Accounts erstellt wurden und 150.000 davon aktiv gewesen sind. Da normalerweise das Spielen von World of Warcraft ein aktives Abo für etwa 13.99€ im Monat voraussetzt, lag der Schaden an Blizzard demnach schon bei etwa 2.098.500€ an Abo-Gebühren im Monat, Service und Shop Einnahmen noch gar nicht eingerechnet“

    Wenn der Server ein WoD Server gewesen wäre, wäre ich hier voll bei dir. War er aber nicht. Insofern ist es vollkommen irrelevant.

    Also Fazit: Nicht schlecht geschrieben, aber sehr auf Provokation und Polarisierung aus. Mag zwar Leute geben die auf den Bild/Express-Stil stehen aber nicht alle. Ich würde dir eine distanziertere und objektivere Betrachtung empfehlen.
    Lg

    • Danke für den Hinweis, ich werde das in Ruhe noch einmal bedenken und schauen ob es nicht noch andere facetten gibt. In einem Punkt hast du Recht, diese kalkulation ist natürlich eine Milchmädchen Rechnung, da auch wenn das Angebot eines privaten Server nicht bestehen würde, einige eventuell kein Abo abschließen.

      Liebe Grüße,

      Joel

  2. Sehe ich genauso. Zum Thema Hetzschrift würde ich dem Kommentator vor mir doch mal Artikel der deutschen „Leitmedien“ empfehlen. Ganz im Gegenteil, ist das der erste Artikel zum Thema dem Vernunft inne wohnt.
    Welches Unrechtsbewusstsein hier herrscht ist gravierend. Blizzard hat mit WoW eine fantatische Leistung vollbracht die mit 14,-Euro im Monat schlicht lächerlich gering ist. Privatserver klauen nun die Arbeit anderer und alle Fans davon können nur dem Leftismus anhängige sein, die echt meinen wir leben nur um die Hände auf zu halten. „Gib mir, gib mir, gib mir!“ In diesem Klima ist es für mich natürlich kein Wunder, dass der deutsche Sozialstaat abgebaut wird, wer wollte mit solchen Personen schon teilen wollen?!

    WoW gehört Blizzard, sie haben es nun mal gebaut! Wer mit irgendetwas nicht einverstanden ist hat die Chance seine eigene Welt zu entwickeln oder muss zumindest draußen bleiben!

    Ich bin ja ganz klar gegen Banken, Versicherungen, Krankenhäuser, Strom, Wasser und der Gleichen in Privathand zum Geld verdienen, aber hier gibt es einfach keine Diskussion, wer die Leistung will, sollte bezahlen müssen. Wegen dem fehlenden Unrechtsbewusstsein kann ich auch nur nach deutlich härteren Strafen rufen, derzeitige scheinen ganz klar zu lasch. Wobei dies wiederum nicht diesen Massen an unnützen Anwälten zum Geld machen in die Hände fallen sollte.

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