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Kolumne: Die Garnisonen – Wo liegt ihr Problem?

Kolumne: Die Garnisonen – Wo liegt ihr Problem?

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Die Garnisonen – Wo liegt ihr Problem?

Mit der aktuellen Erweiterung „Warlords of Draenor“ brachte Blizzard das Kernfeature dieser Erweiterung ein, die Garnisonen. Die Garnison ist eine instanzierte Festung in Draenor welche nur vom jeweilig besitzenden Spieler, oder Jenen denen es von diesem Spieler ermöglichst wird, betreten werden können. Rund um und vor allem in der Garnison gibt es so manchen weiteren Inhalt wie die Möglichkeit durch erbaute Gebäude Zugriff zu anderen Berufen zu erhalten oder die eigenen effektiver zu gestalten, täglich eine begrenzte Menge von Kräutern und Erzen abbauen zu können und natürlich die täglichen Quests.

Das Alles klingt soweit nach einem schönen Feature und nebst den genannten Dingen gibt es auch einige weitere Inhalte innerhalb der eigenen Garnison, und dennoch wächst Unmut in den Foren, in der Spielerschaft. Viele beklagen sich, weniger über die Garnison selbst, als über die Folgen die sie mit sich brachte. Ich möchte im folgenden Text die primären Probleme nennen, und im nächsten Teil dieser Kolumne eine Möglichkeit nennen, wo Blizzard meiner Meinung nachbessern könnte.

Die Einbindung der Berufe

Egal in welchem Beruf, die Arbeitsaufträge nehmen einen fundamentalen Platz ein
Egal in welchem Beruf, die Arbeitsaufträge nehmen einen fundamentalen Platz ein.

Innerhalb der Garnison finden sich drei Bauplätze für berufsbezogene Gebäude (alternativ könnte man auch eine Recyclinganlage oder ein Lagerhaus bauen). Anzumerken ist, dass diese nur den herstellenden Hauptberufen dienen. Das Grundprinzip dieser Gebäude ist in jedem Beruf gleich: Es gibt einen Lehrer der Euch, wenn Ihr den Beruf selbst erlernt habt, neue Rezepte verkauft oder, so Ihr den Beruf nicht selbst beherrscht, eine Auswahl möglicher Rezepte für Euch herstellt. Neben diesem gibt es die Möglichkeit einen Anhänger mit entsprechender Befähigung dem Gebäude zuzuweisen der Euch mehr oder weniger nützliche Boni gibt (beispielsweise einen Stärkungszauber der Schaden an eurer Rüstung verhindert). Am wichtigsten jedoch ist der NPC, der die Arbeitsaufträge entgegen nimmt. In Warlords of Draenor gibt es, ähnlich den vorangegangen Erweiterungen, Materialien von der Ihr täglich nur eine begrenzte Menge herstellen könnt, die Ihr aber in großen Mengen für die wirklich wichtigen Rezepte braucht.

Beispiel: Der Arbeitsalltag des Schmiedes

Ohne seine Schmiede, nützt dem Charakter sein Beruf derzeit recht wenig.
Ohne seine Schmiede, nützt dem Charakter sein Beruf derzeit recht wenig.

Der eifrige Schmied geht zunächst in seine Miene, baut dort alles ab, geht danach in sein Schmiedehäußchen, gibt die täglichen Arbeitsaufträge auf und erstellt die eigenen täglichen Barren. Ein Schmied kann selbst pro Tag einen Echtstahlbarren erstellen, wenn er jedoch die Arbeitsaufträge eines Berufsgebäudes voll ausschöpft, so kommt er auf Sechzehn pro Tag und genau hier liegt ein Problem. Wer seine Berufe wirklich nutzen mag, ist gezwungen auf ein solches Gebäude zurück zu greifen. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass es ausreichend ist einmal am Tag die Arbeitsaufträge aufzugeben und seine Barren abzuholen, was in sich richtig ist., doch es geht natürlich noch weiter.

Nebst den täglich neu erscheinenden Vorkommen von Erzen und Blumen gibt es für Ledersammler die Möglichkeit ein Gebäude zu bauen, welches Euch mit Fallen ausstattet Mit diesen Fallen müssen sie dann losziehen und Tiere erjagen, nur dass sie in die benannten Fallen laufen müssen und ihnen nicht die Haut abgezogen wird, um das begehrte Leder zu erhalten. Auch hier könnte man die Frage stellen warum es einem Sammelberuf schwerer gemacht wird als den anderen Beiden, doch wenden wir uns dem Erz und den Kräutern zu. Auf voller Ausbaustufe dauert ein Gang um alle einzusammeln ungefähr fünf-zehn Minuten pro Charakter, damit ist jedoch der gesamte Bedarf eines Berufes in der Regel gedeckt. Um einen Beruf vollständig auszuschöpfen lohnt es sich also nicht einmal unbedingt in die offene Welt zu gehen. Die Lederverarbeitung mag hier eine Ausnahme sein, doch ist das gerecht den anderen Berufen gegenüber?

Erinnern wir uns noch einmal an den Schmied. Dieser geht jeden Tag die immer selbe Route durch seine Garnison. Er baut Erze ab, stellt Barren her, lässt Barren herstellen und nimmt die fertigen mit. Dies geht die immer selbe Weise Tagein und Tagaus. Die schöne Welt Draenors bekommt er wenig zu Gesicht, vor allem wenn der Schmied noch weitere Charaktere hat. Diese wiederholen seinen Ablauf, nur stellen sie denn eben Schmuckstücke her oder sammeln stattdessen die Blumen. Durch dieses reichhaltige Angebot an einfach zu erlangenden Rohstoffen fielen, wie in „Makroökonomie mit dem Vorschlaghammer“ nachzulesen, die Preise für diese Rohstoffe rapide. Um dem ganzen Problem entgegen zu wirken baute Blizzard mit 6.1 die Möglichkeit ein, seine Ressourcen gegen eine „Meta-Ressource“ einzutauschen, den Urgeist. Tatsächlich hebt dies den Wert der Rohstoffe doch löst es nicht das eigentliche Problem, die Spieler kommen nicht mehr aus Ihrem vier Mauern heraus, weil es sich nicht für sie lohnt.

Die eigene kleine Armee, die Anhänger!

Die Anhänger bilden neben den Berufen wohl die wichtigste Grundlage für die Nutzung der Garnison.
Die Anhänger bilden neben den Berufen wohl die wichtigste Grundlage für die Nutzung der Garnison.

Durch die Garnisonen ist es möglich zwanzig (mit der vollständig ausgebauten Kaserne fünfundzwanzig) Anhänger zu rekrutieren.   Die Anhänger muss man sich wie computergesteuerte WoW-Charaktere vorstellen die über eine begrenzte Anzahl von Fähigkeiten verfügen. Diese kann man dann auf Missionen schicken in denen es Gefahren gibt, die nach dem Stein schlägt Schere Prinzip, von den Fähigkeiten der Anhänger gekontert, oder durch Ihre Eigenschaften zumindest abgeschwächt, werden. Man schickt also seine Anhänger täglich auf Missionen, doch ist es nicht wie bei den Arbeitsaufträgen, dass man sie einmal am Tag losschicken würde. Je nachdem wie oft man die Eigenschaft „Episches Reiten“ (halbiert die Missionszeit) verwendet, kann es durchaus sein, dass die eigenen Anhänger aller zwei Stunden losgeschickt werden müssen, um das Maximale aus ihnen heraus zu holen. Das bedeutet dann man loggt sich alle zwei- drei Stunden auf einem Charakter ein, schickt seine Anhänger wieder los und nimmt Ihre Beute entgegen. Auch dies wiederholt sich immer und immer wieder im selben Rhythmus.

Grundsätzlich sind die Anhänger ein, wie ich finde, schönes System. Die eigenen Leute für sich kämpfen zu lassen mag im Kern niemandem widerstreben, doch auch hier liegt ein Problem. Durch die Zeit die man für seine Anhänger aufwendet, kämpft man selber kaum. Bis auf die wenigen täglichen Quests (welche mit 6.1 jedoch regen Zulauf bekamen) hat der Spieler kaum einen Grund selbst Draenor zu erkunden, wozu auch? Wie es immer war warten die lukrativen Belohnungen in Schlachtzügen und Schlachtfeldern, die Anhänger bringen jedoch gute Beute mit nach Hause und da wir unsere Berufe auch innerhalb der Garnison ausüben können, lockt die Außenwelt nur geringfügig.

Eine Frage der Zeit

Erzeugt der immer gleiche Anblick wirklich Langzeitmotivation?
Erzeugt der immer gleiche Anblick wirklich Langzeitmotivation?

Die täglichen Runden und Aktivitäten innerhalb der Garnison, ausgenommen täglicher Quests, dürften in der Regel nach ungefähr diesem Muster ablaufen: Man nimmt die Beute der Anhänger entgegen und schickt sie erneut los, dann geht man in seine Mine und in den Kräutergarten um dort alles abzubauen, öffnet eventuell noch die mitgebrachten Kisten der Anhänger beim Wiederverwertungsgebäude, und gibt die täglichen Arbeitsaufträge für die Berufe und anderen Gebäude in Auftrag. Wenn all dies getan ist, so loggt man sich am Tag noch einige weitere Mal ein um die Anhänger erneut und erneut und wieder erneut loszuschicken.

Wenn wir davon ausgehen dass ein Spieler über sagen wir fünf Charaktere verfügt, was für den ambitionierten Schlachtzugsbesucher keine Seltenheit ist, denn jeder Charakter bringt ja weitere Berufsmaterialien, dann kostet die Garnison am Tag durchschnittlich zwei Stunden Spielzeit. Zwei Stunden in denen man tagsäglich immer wieder das Selbe tut sind, ob man dies nun als verhältnismäßig viel Spielzeit empfindet oder nicht, keine Zeit in der man das Spiel wirklich genießt. Tatsächlich fühlt sich die Garnison nach einer Weile eher wie eine Pflicht, vielleicht sogar eine Bürde an. Sicherlich war es schon immer notwendig Zeit und Arbeit in Berufe und andere Spielinhalte zu investieren und das ist auch gut so. Doch der starre Ablauf der aktuellen Erweiterung bringt eher Mosern denn Muße.

Ein Blick auf die Geschichte

Wen spielen wir eigentlich in der World of Warcraft? Wer ist das, der von einem Schlachtzug zum nächsten stürmt um Ruhm, Ehre und vor allem Loot zu erlangen? Der die Gefahren von den Völkern abwendet und sie beschützt? Wir spielen die Helden welche sich über Jahre hinweg einen Namen machten. Waren es im Nordhaintal damals noch Defias und Kobolde die wir bekämpften, ging es über Drachen und Elementare, so sind es heute erneut Orcs und Oger die sich uns entgegen stellen. In Mists of Pandaria nannte uns uns oft „Champion“ und das empfinde ich als sehr passend. Die Spielercharaktere sind freie mächtige Abenteurer, die niemals direkt Teil der regulären Truppen wurden.

Umso verwunderlicher ist es, dass wir sobald sich das Portal hinters uns schloss, den Sprung vom Vagabunden zum Kommandanten machten. Zwar gab es immer wieder Situationen in denen wir unsere Leute in die Schlacht führten, doch waren wir niemals in einem solchen Situation wie der heutigen, Kommandant des Hauptstützpunktes unserer Fraktion zu sein. Dieser Karrieresprung mag an sich nett klingen doch wie ist denn der Alltag des Kommandanten? Wir gehen unsere Runden in unserer Festung und sonst sitzen wir an unserem Schreibtisch und koordinieren Truppenbewegungen. Aus dem einst einsamen Wolf wurde ein Bürohengst und ich mag die Frage stellen, ist das wirklich gut und richtig so?

In der Garnison alles schlecht?

Wann zuvor sahen wir solche Präzision in Azeroths Graphik?
Wann zuvor sahen wir solche Präzision in Azeroths Graphik?

Bewahre, Nein! Wenn wir uns die Gebäude, die Landschaft und Wege ansehen, dann erblicken wir eine Liebe ins Detail wie wir sie nie zuvor in der World of Warcraft sahen. Tatsächlich würde ich die Garnisonen als die graphischen Juwelen des Spiels bezeichnen. Auch empfinde ich die Grundideen hinter der Garnison als sehr fruchtbar. Die Vorstellung eine eigene kleine Festung aufzuziehen, seine Truppen loszuschicken und einen tatsächlich Arbeitsablauf innerhalb dieser Festung zu erblicken ist eine Solche, die mir das Wasser im Munde zusammen laufen ließ, wenn ich an das Addon dachte bevor es erschien. Ich denke auch dass die grundsätzlichen Mechaniken keine Schlechten sind, sie nehmen jedoch zu große Anteile des Spiels ein. 

Die Garnison der Zukunft?

Blizzard steckte viel Zeit, Geld und Aufwand in das Feature der Garnison und es würde niemandem nutzen, wenn man all dies im nächsten Addon einfach in den Papierkorb werfen würde. Wie kann man also die Mechaniken, die ja bereits im Spiel sind, nutzen ohne die selben Probleme zu erzeugen wie wir sie gerade erleben? Im nächsten Teil meiner Kollumne werde ich einen Vorschlag präsentieren, wie man den guten Kern der Garnisonen in das nächste Addon tragen könnte, ohne dabei die Missstände der aktuellen Version zu wiederholen. Ich bin gespannt auf eure Kommentare, eure Ideen, Vorschläge und Kritiken. 

Bis zum nächsten Mal verabschiedet sich mit Grüßen

Eldarion Aduial

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