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Gaukler, Kämpfer, Zauberer – Die Welt der Rollenspieler

Gaukler, Kämpfer, Zauberer – Die Welt der Rollenspieler

Einsam, Zweisam, Dreisam…

Der Schlüssel zum Erfolg und dem größten Spaß liegt im Zusammenspiel mehrerer Helden in einer Gruppe. Genion der Krieger, Deledriell, die Waldelfe, Fouan der Dieb, Trebelakus der Magier. Doch wenn jeder seine eigene Geschichte schreibt, dürfte die Runde schnell ein Ende finden, all das Regelwerk eines Rollenspiels nutzt nichts, wenn man niemanden hat, der sie kontrolliert und auch im Zweifelsfall ein Machtwort spricht. Und letzten Endes wurde bereits oben erwähnt, dass, wenn man die Geschichte selbst erfindet, der Spaß verloren geht, da man das Ende in der Regel kennt.
Es muss also jemand her, der eine hohe Verantwortung trägt. Er sollte das System mit seiner Welt, seinen Regeln und natürlich mit seinen Tücken gut kennen, die Lebensgeschichte der Helden im Kopf haben. Er muss das Abenteuer was die Helden erleben wie ein „Geschichtenerzähler“ vor den Helden ausbreiten, in die Rollen der Charaktere treten, die den Helden begegnen werden und dabei auf alles gefasst sein, was die Helden tun werden. Er sollte den roten Faden seiner Geschichte nie aus den Augen verlieren und muss letztlich bei Regelstreitigkeiten immer das letzte Wort haben. So unmöglich diese Aufgabe klingt, so passend ist auch der Name für diesen „Mitspieler“… Es ist der „Meister“, der Spielleiter.

Arten des Rollenspiels

Der Ursprung des Rollenspieles liegt in den so genannten Pen&Paper-Spielen. Hier behilft man sich einiger Blätter Papier um Räume und ähnliches darzustellen, oder um die Eigenschaften seiner Figur fest zu halten, ein paar Würfeln und festgelegten Regeln. Der Meister erzählt die Geschichte und sorgt für Ereignisse. Hier findet sehr vieles in der Phantasie der Mitspieler statt und ist von deren Vorstellungskraft abhängig. Ein Beispiel für diese Art Rollenspiel ist das deutsche Rollenspielsystem „Das schwarze Auge“, kurz DSA, oder das wohl weltweit am meisten genutzte System „AD&D“.
Eine andere Form des Rollenspieles ist das LARP. LARP ist die Abkürzung für Live-Action Roleplaying, was nichts weiter heißt, als Live-Rollenspiel. Die Live Action Rollenspiele sind vor etwa zehn Jahren entstanden. Es handelt sich also nicht um etwas, dass im Kopf stattfindet, sondern im realen Leben mit realen Gegnern und realen Ausrüstungen. Die Spieler versetzen sich also nicht nur geistig in eine Rolle, sondern sie kleiden sich auch entsprechend. LARP findet meist in Burgruinen, Wäldern, Zeltplätzen oder Jugendherbergen statt. Für diejenigen, die sich richtig viel Mühe geben und ihre Fantasie so richtig ausleben wollen, finden sogenannte CON’s statt. Das kommt vom englischen Convention und heißt Zusammenkunft. Diese CON’s gehen dann über mehrere Tage und die Umgebung wird relativ aufwendig dafür hergerichtet. Damit das Ganze dann so richtig anfängt real zu werden, wird von den Veranstaltern eine Hintergrundgeschichte vorgegeben. Zum Beispiel wurde Prinzessin Sirina vom grausamen Unhold Broan entführt, oder Burg Schwarzenholz wird von Orks belagert. Damit diese Handlungen richtig umgesetzt werden können, setzen die Organisatoren oftmals NPC’s (Nichtspielercharaktere) ein. Eben zum Beispiel jene Prinzessin oder jenen Unhold. Gespielt werden diese von Helfern, oder Spielern, die auf ihre normale Rolle einmal verzichten.

Zu guter letzt sind da noch die PC-Rollenspiele. Im Gegensatz zu den oben genannten spielt man PC-Rollenspiele primär alleine zu Hause vor dem Monitor. Ein sehr bekannte Vertreter dieser Gattung ist die Reihe „Baldur’s Gate“. PC-Rollenspiele orientieren sich nicht selten an den Regelwerken von zu Beginn genannten Pen&Paper-Spielen, Baldur’s Gate zum Beispiel an „AD&D“. Seit einigen Jahren nun gibt es auch online die Möglichkeit in eine Rolle zu schlüpfen, in den so genannten Online-Rollenspielen (MMORPG). Diese könnte man als Verknüpfung von klassischem PC-Rollenspiel mit den Pen&Paper- und LARPs sehen. Man spielt von zu Hause aus in einer riesigen virtuellen Welt, zusammen mit tausenden von anderen Spielern. Die Anbieter dieser MMORPGs setzen Mitarbeiter ein, welche die Rolle der Meister einnehmen und statt einer CON nennt man größere und vorbereitete Ereignisse „Event“.

In der Welt der Rollenspiele ist also absolut nichts unmöglich und es eröffnen sich immer wieder neue Wege um der realen Welt für eine Weile zu entfliehen und zu etwas anderem zu werden, sei es ein einfacher Knecht oder ein wahrer Held. An irgendeinem System und irgendeiner Art des Rollenspieles findet (fast) jeder Gefallen, also: Probier es aus!

Was ist das: Rollenspiel?

Der Begriff Rollenspiel ist nicht einfach zu umschreiben. Habt Ihr schon mal versucht jemandem zu erklären, was ein Mountainbike ist? Sicher, von Hinterrad über Bremse, Licht und Lenker lassen sich alle Funktionen in der Theorie erklären und darstellen, nur den Spaß beim Radfahren, die Anstrengung einen Berg hochzufahren, die Freude ihn zu bezwingen und der Adrenalinstoß, wenn es abwärts geht und einem die Äste ins Gesicht schlagen – das lässt sich nicht erklären, sondern man muss mit ein wenig Mut und vor allem Freude an der Sache den Schritt wagen und es einfach ausprobieren

Ähnlich verhält sich das auch beim Rollenspiel. Mit Spaß an die Sache gehen und ausprobieren verdeutlicht viel mehr, was der Inhalt und das Wesen von einem Rollenspiel ist.

Dennoch soll es das Bestreben dieses Textes sein, die Grundlagen zu legen und die Neugier und Begeisterung zu entfachen, einmal selbst in die Tiefen der Fantasie abzutauchen indem man „Rollen – spielt“.

Mittendrin, statt nur dabei…

Habt Ihr schon einmal ein spannendes Buch gelesen oder einen Krimi im Fernsehen geschaut, wo euer Held gerade die Hand ausstreckt und versucht einen Kerzenhalter an der Wand herumzudrehen, um eine vermeintliche Geheimtür zu öffnen – und ihr wisst genau, dass es ein großer Fehler ist dies zu tun, denn euch wäre natürlich aufgefallen, dass unter der Wand an dem der Kerzenhalter befestigt ist, ein Stück menschlichen Knochens hervorlugt…?
Doch ihr könnt nichts an der Tatsache ändern, dass der Held der Geschichte nicht über euren Scharfsinn verfügt, keine eurer guten Ideen und Geistesblitze verändert die Situation und so nimmt die Geschichte eine tragische Wendung für unseren armen Freund, der ahnungslos den Auslöser einer mörderischen Falle betätigt.

Hier setzt die Idee des Rollenspiels an. Ihr schlüpft selbst in die Rolle einer der Hauptfiguren einer Geschichte, könnt selbst entscheiden, was der Held tut oder sein lässt und mit eigenen Ideen versuchen, gefährliche Situationen oder auch selbst eingebrockte Fehler zu meistern oder zu korrigieren . Die Bilder vom Fernsehen stellt ihr euch vor, sie laufen vor eurem „inneren Auge“, in eurer Fantasie ab.

Nun wäre die Geschichte nicht spannend, wenn ihr sie selbst als der Held der Geschichte erleben wollt und dabei die Geschichte selbst erfindet, da ihr somit auch das Ende kennt. Genauso langweilig ist es, das hier Beschriebene alleine zu tun – genauso gut könnte man ein Buch schreiben Und letztlich möchte man natürlich „seinen eigenen“ Helden verkörpern und nicht in die Rolle eines Alrik Kettensägenmassaker schlüpfen, den man nicht selbst spielen möchte.
Die Lösung liegt also darin, mit mehreren Personen in eine Fantasiewelt abzutauchen…

Wer bin ich? Wer wäre ich gern?

Ihr schlüpft also in eine Rolle, in die Rolle eines „Helden“. So wird aus dem eher schüchternen „Timo“ der mutige Krieger „Genion“, auch, wenn Timo in Wirklichkeit noch nicht einmal ein Schwert angefasst hat. Aus der partyfreudigen Carina wird die stille und geheimnisvolle Elfe „Deledriell“. Diese Rollen sind nur eingeschränkt durch den Rahmen der Regeln, die jedes System eines Rollenspieles mit sich bringt. Während die meisten Rollenspiele hier auf fiktive mittelalterliche Zeiten setzen (DSA, AD&D), werden auch zukunftsorientierte Rollenspiele (Shadowrun) immer beliebter.
Die meisten Rollenspiel stellen eine Reihe von „Rassen“ zur Verfügung (Menschen, Orks, Elfen, Zwerge) und erweitern diese dann um Berufe (Krieger, Dieb, Magier, Streuner) die in ihrem Spezialgebiet meist auch entsprechende Fähigkeiten, die sogenannten Talente (Klettern, Schwertkampf, Schleichen, Sinnesschärfe) besitzen. Aus diesem Regelwerk wählt man sich SEINE Figur heraus – nicht die, welche die anderen gut finden, sondern diejenige, die man selbst schon immer einmal sein wollte.

*Autor Azlaphor